Archiv

RaptoBike Midracer Review – Teil 2 – Fahreindrücke

image013 Hier ist der Teil 2 von René Freisings Midracer-Test. Vielen Dank, René.

Die Sitzposition ist recht Tieflieger-ähnlich. Da ich den Sitz auf 27 Grad eingestellt habe ist der Kraftschluss gut. Das Erste Anfahren ist jedoch recht wackelig. Es braucht länger als beim Tieflieger bis das Standbein in der Pedale ist. Beim Fahren fällt sofort die ruhige Kette auf. Kein Lärmen und Schlackern wie beim Tieflieger. Nur die große Umlenkrolle aus Hartplastik lärmt etwas. Das Schalten geht kurz und knackig, fast schon so gut wie beim Rennrad.

Der Geradeauslauf des geteilten Rahmens  ist, ohne das ich die Spur überprüft oder optimiert habe, gut. Freihändig fahren ohne zu Treten ist kein Problem.

Starten und vor allem Stoppen ist aber auf den ersten 100km ein Balanceakt. Mit 84cm Schrittlänge würde ich gerne 5cm tiefer sitzen. Beim Absetzen des Beines geht mein Rücken ins Hohlkreuz. Nach nun knapp 1000km hat sich das aber gebessert. Geht nun alles recht ordentlich.

Gespannt bin ich auf den Frontantrieb, der ja nicht gerade als Bergziege überzeugen soll. Auffällig ist jedenfalls, dass dieser beim Midracer Rückwirkungen in der Lenkung hat, wenn man stark beschleunigt oder unregelmäßig tritt. Auf dem 50er Kettenblatt ist das nur beim Anfahren spürbar aber auf einem 39er auch schon mal in der Ebene. Ich stimme meine Übersetzung daher so ab, dass ich fast alles auf dem Großen Blatt fahren kann. Ich habe Zoxfahrer befragt ob sie dieses Phänomen auch kennen, was diese aber alle verneinten. Das Ziehen im Lenker sollte bei einem 20Zoll Fronttriebler  mit entsprechen großen Kettenblättern und dem dadurch geringeren Kettenzug deutlich geringer ist. Ein Durchdenken der Kräfte an Gabel und Antriebsrad lässt mich zu dem Schluss kommen, dass alle Frontantriebe Rückwirkungen haben müssten. Ich würde daher gerne mal ein Zox26 im Vergleich fahren.

Berge mit 5% ob Trocken oder Nass sind mit dem Midracer kein Problem nichts rutscht. Über 10% beginnt der Grenzbereich für den Midracer Je nach äußeren Bedingungen hat das Rad  Schlupf. Bei 8 Grad und bei leicht hubbeliger Strecke rutschte das Vorderrad durch. Hoch kommt man aber dennoch. Ich hatte auch nicht das Gefühl, anhalten zu müssen weil das Rad instabil oder unsicher wird. Fahrtechnisch ist der Schlupf am VR gut zu händeln. Selbiger Anstieg war übrigens über 10 Grad ohne Schlupf fahrbar. Wo Haftungsprobleme bei Nässe anfangen konnte ich mangels Regen und Nässe auf den bisherigen 1000km nicht herausfinden. Hier im Bergischen Land südlich der Ruhr gibt es zu wenig Steilstücke um das auszuprobieren, da müsste man schon gezielt Suchen. Beim Anfahren, besonders bei Nässe, sollte man aber darauf achten das man nicht auf oder kurz vor den weißen Fahrbahnmarkierungen steht. Einmal bin ich auf einer solche Markierung kräftig gestrauchelt. Auch dreht schon mal das Vorderrad beim Anfahren durch. Ein Hecktriebler kommt da subjektiv schneller von der Stelle. Insgesamt kommt man aber bis auf wirklich extreme Sachen überall mit einem Frontantrieb durch bzw. hoch.

Ob einem das Ziehen im Lenker gefällt muss jeder für sich selber entscheiden. Man merkt es aber sofort bei einer Probefahrt. Seit dem ich praktisch nur auf dem großen Kettenblatt fahre kann ich damit gut leben. Berge muss man auf dem kleinen Blatt gleichmäßig fahren.

Sprinter könnte dieser Effekt und das Durchrutschen der Vorderrades missfallen.

Die hohe Sitzposition, verschafft einem auf dem Rad einen guten Überblick. Nachtfahrten sind deutlich angenehmer weil man weniger von den Autoscheinwerfern geblendet wird. Die Kommunikation mit Rennradlern ist einfacher. Trotz der Höhe jammerten  aber  einige über den geringen Windschatten. Das große Vorderrad ist bei schlechter Straße angenehmer als beim Tieflieger. Man achtet mit der Zeit einfach weniger auf die Löcher in der Straße. Vibrationen durch die Straße werden jetzt mehr über das Hinterrad auf den Fahrer übertragen. Anscheinend ist der Hinterbau am Midracer steifer als beim meinem Tieflieger. Subjektiv bekommt man auch mehr Wind ins Gesicht. Eine höhere Seitenwindanfälligkeit konnte ich nicht feststellen. Nervig bleibt dieknarzende untere Sitzbefestigung, und das obwohl ich die 2 Inbus-Schrauben schon mit einem Ratschenschlüssel sehr fest angezogen habe. Ich glaube ich werde den serienmäßigen Schaumstoff, den Arnold als Zwischenlage mitliefert, mal ausprobieren.

Die Große Umlenkrolle wollte ich eigentlich nicht kritisieren, obwohl sie mit 18mm recht breit ist. Im Winter mit Langer Hose lief sie tadellos mit dem Bein berührte ich zwar die Rolle kam aber immer gut dran vorbei. Tja bei der RTF letzte Woche mit 18 Grad und kurzer Hose sah das anders aus. Das Raptobike wurde zu einem RaptorBite. Zwei mal klemmte ich mir auf 130km den Schenkel. Anscheinend drückt die Kurze Hose am Bund das Bein etwas zusammen, dafür schwabbelt aber die nackte Haut zwischen Knie und Hosenbund mehr und wenn man mal eine nicht passende Bewegung macht, sagt die Rolle JamJam! Dies versuchte ich etwas durch verschieben das Führungsblech zu vermeiden. Nur darf man aber nicht das Blech Rückwärts(gegen Uhrzeigersinn) schieben, dann löst sich die Schraube und das Blech schlabbert durch die Gegend. Als Lerneffekt sollte man die Schrauben für die Umlenkrolle mit Schraubenkleber fixieren und den passenden Inbus-Schlüssel mitführen. Die Bestellung für eine 13mm breite Rolle von Gingko ist schon raus. Es tut natürlich auch jede andere Rolle mit 80mm Innendurchmesser und  schmal ist.

Die Geschwindigkeit, ist recht vergleichbar mit einem Tieflieger. Vielleicht einen Tick langsamer in der Ebene. Wobei ich am Midracer aber auch 4Grad mehr Sitzwinkel als am Jester fahre. Hügel hoch ist dieser steile Sitzwinkel von 27Grad angenehmer, aber einen Geschwindigkeitsvorteil für den Midracer konnte ich nicht raus messen. Hier ist es eher ein Patt.

Auf schlechter Straße, gerade die ruppeligen  asphaltierten Feldwege, bügelt der Midracer besser weg. Deutlich mehr Komfort. Sehr Enge Kurven sind meiner Ansicht nach mit dem Tieflieger besser, wegen mehr Bodennähe für den ausgegklickten Fuß und weniger Behinderung durch das Vorderrad. Dafür kann man mit dem Frontantrieb in einigen Kurven wieder früher Druck auf die Kurbel geben. Wobei ich mich  immer noch nicht so richtig an das Schräglageverhalten des Midracers gewöhnt habe. Ich bin da leider nicht der intuitive Kurvenkratzer.

Aufschlussreich war auch die schon oben erwähnte RTF. Überwiegend Flach mit ein, zwei Hügeln und ein paar Wellen. In der Ebene war ich immer mit 33-34km/h unterwegs. Die meisten RRler waren auch noch im Winterschlaf und wurden Reihenweise eingesammelt, wobei die richtig Guten wohl bei so einer Strecke erst gar nicht auftauchen. Der subjektiv von mir als lahm empfundene Antritt an der Ampel, bescherte mir jedes Mal ein paar Meter Vorsprung zu den Rennradlern.

Nur ein einziger Rennradler aus Büttgen konnte folgen und hat sich artig an der nächsten Kontrolle für den Windschatten bedankt. Nur bei einem Trupp Vereinsfahrer habe ich mich mal hinten dran gehangen. Deren Frontmann war aber auch mit bis zu 39km/h unterwegs und ich hatte schon 90km in den Beinen. Am letzten Hügel konnte ich mich mit Ihnen aber nicht messen, weil sie eine Bummeltour einlegten und wohl nicht so recht beißen wollten. Nach 100km RTF und insgesamt 35km An-/Abfahrt habe ich zu Hause dann den ersten 30er Schnitt der Saison mit laut GPS 29,9km/h knapp verfehlt.

Der Speed ist somit auf Tiefliegerniveau. Es ließe sich auch noch was mehr rausholen, wenn man das Rad mehr auf Rennen auslegt und nicht wie ich für Brevets, mit Lichtanlage Schutzblechen und Gepäckträger, ausstattet.

Aus meiner Sicht ist der Midracer ein gutes Liegerad. Ob einem das typische Fahrverhalten eines Fronttrieblers behagt, sollte jeder durch eine Probefahrt selber entscheiden. Positiv finde ich dass Arnold Ligtvoet als Konstrukteur mal ein paar neue Sachen probiert hat, wie den teilbaren Rahmen,

auch wenn die unter Sitzbefestigung verbesserungswürdig ist.

Comments are closed.