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RaptoBike Midracer Testbericht – Teil 1 – Aufbau

dscf3054 Im Juni 2010 besuchte ich RaptoBike. Arnold Ligtvoet schlug mir vor, mir einen Midracer zum Testen zu schicken. Nach einigen Monaten des Wartens nahm ich an, dass es die Kosten waren, die ihn davon abhielten, ohne zu wissen, dass er auf die Rahmen von seinem Schweißer in Fernost wartete. Schließlich machte ich einen Kontakt zwischen  Rene Freising, der nach einem Brevet-Rad suchte und schon über den Midracer nachgedacht hatte und Arnold. Am Ende kaufte Rene ein Rahmenset und versprach, einen Test für BentBlog.de zu schreiben. Hier ist, was er mir schickte:

Im Mai 2011 habe ich bei Raptobike ein Rahmenset bestellt und nach 6 Monaten war es endlich lieferbar. Eine lange Wartezeit. Aber Arnold Ligtvoet der Eigentümer von Raptobike hat mir mitgeteilt, dass er nun genug Rahmen auf Vorrat hat.

Das Rahmenset war in einem Großen Karton verpackt und für den Transport nach Hause ausreichend verpackt. Zu Hause habe ich erst einmal die Einzelteile begutachtet. Alles in Ordnung, kein Grund zu meckern. Die gelieferte Orange Farbe ist mit ihrem hohen Metallik-Teilchen-Anteil hübsch anzuschauen. Die Rahmenteile sehen sehr solide aus, was sich aber (leider) auch in den Gewichten widerspiegelt (alle Angaben gerundet):

vorderer Rahmen: 2000g

hinterer Rahmen: 1700g

Gabel: 1050g

Sitz: 1250g

Sitzstütze lang: 150g

UDK Lenker: 450g

Teleskop Vorbau: 450g

Schrauben 200g

Ein Ziel von mir war es, ein Rad mit möglichst vielen Standardkomponenten aufzubauen, damit es auf Langstrecken keine Probleme mit Ersatzteilen gibt und man somit weniger Sachen mitschleppen muss. Insgesamt war der Zusammenbau einfach, dennoch gab es ein Problem und mir sind mehrere Kleinigkeiten aufgefallen.

Aber fangen wir mal mit den guten Sachen an. Die Rahmenverstellung bei diesem Rad klappt problemlos. Die Klemmung ist sehr gut und die Längenverschiebung klappt ohne Kraftaufwand.

Eine neue Lösung der Beinlängen Anpassung, die absolut perfekt funktioniert.

Die Lenkkopflagerschalen habe ich schon einsetzten lassen, weil man dafür normalerweise ein Gerät zum Nachfräsen braucht. Das Einsetzten der Gabel war mit etwas Sortieren der Einzelteile des Steuerkopflagers auch zügig erledigt.

Dann mein dickstes Problem: die Rechte Tretlagerschale ließ sich absolut nicht einschrauben. Links war es gar keine Problem. Offensichtlich waren hier die Gewinde nicht sauber geschnitten worden. Ok, das habe ich bei Rahmensätzen auch schon mehrfach bei anderen Herstellern erlebt, aber eigentlich ist das nicht tolerabel, wenn der Rahmen an einen Endkunden geht. Das Gewinde musste im örtlichen Radladen nachgearbeitet werden. Vermutlich durch die Lackierung war auch das Umwerferrohr zu dick geworden. Es benötige eine 5mm längere Schraube um die Schelle samt Umwerfer zu befestigen.

Am Steuerkopf befindet sich linksseitig auch eine Kabelführung für 3 Kabel, die einfach nicht vernünftig zu gebrauchen ist. Nach hinten und nach vorne würde der Bogen zu eng werden und ein Bremskabel zur Gabel würde vermutlich beim Einlenken geknickt werden. Also Leitungen mit Klebeband befestigen.

Einfach und gut gestaltete sich das Verbauen der Kette, da man sich ja nicht mehr um die Längenanpassung für den Fahrer kümmern muss. Aufgrund der kurzen Wege schlabbert die Kette auch nicht, Das ergibt eine sehr saubere Kettenführung. Das Schaltwerk sollte wenn mögliche eine Anlenkung von Oben haben, oder mit einem U-Turn-Away versehen sein, damit der Schaltzug nicht zu sehr gekrümmt wird.

Ein weiteres Augenmerk fällt auf die Umlenkrollen, da diese beim Fronttriebler im Bereich der Beine sind. Diese Rollen sind 18mm breit und somit 5mm breiter als die anderer Rollenhersteller. Zumal die Kette auf der Zugtrumrolle sehr weit innen verläuft.

Weil die Rahmenverstellung auch die Entfernung vom Lenker beeinflusst, hat man hier evtl. etwas Aufwand die richtige Griffweite zu finde. Ich habe es mir hier etwas schwerer gemacht, weil ich den kürzen Flux-Lenker statt des mitgelieferte Lenkers von HP-Velotechnik verbaut habe. Ich musste mir daher einen anderen Vorbau besorgen, der ca. 70 Grad statt der 40 Grad des originalen Vorbaus hat.

Die hintere Sitzhalterung ist gut und lässt sich mehrstufig in der Neigung verstellen.

Die Sitzhalterung vorne unten ist recht filigran und besteht nur aus einem Zylinder in dem seitlich 2 Schraublöcher angebracht sind. Leider haben die 2 Löcher nur einen Abstand von 2,5cm. Auch die Auflagefläche auf diesem Zylinder mit ca 15mm Durchmesser finde ich etwas wenig. Daher kommt bei mir noch eine Aluplatte zwischen Sitz und Rohr um die Fläche zu vergrößern. Von oben verbaue ich noch ein dünnes Metallplättchen zwsichen Sitz und Schrauben, damit sich die Belastung auf eine Größere Fläche verteilt. Den mitgelieferten Schaumstoff verbaue ich nicht.

Insgesamt ist die Beurteilung des Aufbaus positiv: Ich habe an vielen Rädern schon länger dran gesessen. Gerade das Problemkind Kettenführung beim Liegerad war gut gelöst. Bei der Tretlagerschale hoffe ich , dass es ein Ausreisser war. Die Untere Sitzbefestigung sollte mit 4 statt 2 Schrauben und mit mehr Auflagefläche versehen werden. Die Kabelführung könnte durchdachter sein. Die wirklich wichtigen Sachen wie Kettenführung und Schaltung funktionierten auf Anhieb.

Als Konkurrenten zum Midracer sehe ich das Zox26LL und den Optima HighBaron, die bei ähnlicher Ausstattung preislich identisch sind. Der Performer HighRacer ist sogar günstiger.

Sehr preiswert bekommt man somit den Midracer nur, wenn man ihn in der absoluten Grundausstattung kauft.

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