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Rekordbericht von Christian von Ascheberg

Christian von Ascheberg Christian hat auf droplimits.de schon einen Rekordbericht veröffentlicht. Er hat mir erlaubt, den auch hier zu veröffentlichen. Danke Christian, hier ist, was er schrieb:

Erst einmal einen ganz herzlichen Dank an alle die mit Eifer bei der Veranstaltung geholfen haben.

Auch der Leserscharr danke ich für das Interesse.

Wozu sind Rekorde gut? Sie sollen zeigen, das Verbesserungen möglich sind und die schieben Grenzen immer weiter hinaus. Vor wenigen Jahren habe ich 1100km nicht für möglich gehalten. Jetzt weiss ich dass auch 1300km in 24 Stunden gehen. Viel Spaß beim Lesen.

Weltrekordfahrt am 31.7.2010 – mein Fahrbericht

Start 8 Uhr 56

Das Tempo ziehe ich für meine Verhältnisse recht früh an. Bereits nach 4 Minuten fahre ich mit 60km/h. Nach etwas über einer Stunde habe ich mich entschieden. Ich ziehe das Tempo nicht an um den 6 Stunden Rekord anzugreifen, sondern gehe den 12 Stundenrekord primär an. Schließlich hatte ich ja noch die geheime Option den 6 Stunden Rekord anzugreifen. Bis 13 Uhr habe ich 59km/h Schnitt. Von meiner Frau, weiß ich, das ein Fahrer sein Crew angerufen hat „Ich fahre hier mit 54km/h und werde ständig überholt. Was ist hier los? Sind die alle verrückt?„ Dann ließ er sich die Position einiger Fahrer durchsagen. Mich selber haben bei 60km/h auch Milane überholt. Ich esse zwei keine Frikadellen. Irgendwann mittags ein kurzer Stopp. Ich werfe leere Behälter raus und bekommen neue hereingeworfen, Apfelschorle, Wasser, Kakao. Glück gehabt, der Fahrer wurde nicht erschlagen. Um 13 Uhr 30 die ersten langsameren 55km/h Runde. Ein Roggenbrötchen wird gekaut. Es wird wärmer und ich fahre geplant ruhiger um mich für den kühleren Spätnachmittag zu schonen. Die Wärme setzte mir mächtig zu. Eine Redbull hilft mir den Kreislauf in Schwung zu halten und damit sich anbahnende Magenprobleme, oder wie auch immer man das nennt zu vermeiden, wenn man nichts mehr Essen und Trinken mag oder Brechreiz bekommt.

Nur gut, das ich meine Fenster mit Flachglas gegen Infrarot Sonnenwärme abgeklebt habe. Als Aussenfolie aufgetragen werden damit auch Nietköpfe und die Flachverschraubungen verdeckt. Mein mit Heißkleber fixierter Lichtschalter liegt inzwischen frei im Innenraum. Kühl ist es in so einem Rekordfahrzeug mit Sicherheit nicht. Meine Hoffnung, das es ab 16 Uhr kühler werden würde, ging leider nicht auf. Um 17 Uhr ein zweiter längerer Tankstopp. Meine 3.5l Apfelschorle mit Wasser verdünnt waren alle (40g Maltodextrin pro l). Meine Kraftmischung mit ¼ Volumenprozent zu Apfelschorle war auch alle. Ich tanke 3.5l Apfelschorle und nochmals 0.7l reines Wasser – leider viel zu warm. Der Stopp hat mich 2 km/h vom Durchschnitt gekostet. Betanken im Fahren funktionierte nicht, wie geplant. Die Boxengasse ist zu kurz und es fehlt die Übung für die Übergabe – nächstes Mal wird alles besser. Nein, ein nächstes mal ist nicht geplant. Zu gering ist das von mir jetzt erworbene Verbesserungspolster. Ich trete nur an, wenn es gute Aussicht auf einen Rekord gibt. 18 Uhr, es wird langsam etwas kühler, aber gefühlt viel zu wenig. Ich bin relativ platt. Der Schnitt auch nur bei 56km/h. Sabine, meine Frau erzählt mir, das ich verfolgt werde und es knapp ist. Spielraum zum Taktieren habe ich aber nicht wirklich, ich bin die ganze Zeit am Anschlag unterwegs. Puls lange deutlich oberhalb 150. Ein Wert der deutlich über meinem Limit 140/min liegt und ich vor mir nur wegen der Hitze rechtfertigen kann. Bei Hitze geht mein Puls hoch, ohne das ich aber Probleme dadurch bekomme. Um 19 Uhr löst sich auch die Heißkleberfixierung vom Navi-Tacho, ab jetzt alle Tempoangaben subjektiv. Auf jeden Fall war es um 19 Uhr nicht wirklich kühl. Am Rand der Fahrbahn tauchten Zeichen und Finger auf die ich nicht interpretieren konnte. Eine zwei zeigte mir meine Frau. Muss ich wohl auf Platz zwei sein und legte los. 60km/h erzählte mir meine bessere Hälfte. Dabei war gemeint ich sollte nur um 2 km/h schneller fahren. Dann keine Zeichen mehr. Ließ man mich in meinem Elend alleine? Dachte ich jedenfalls. Dann wieder Anfeuerungszeichen. Irgendwann ein Handyanruf. Ich brauchte bestimmt 2 Minuten, bis ich die wenigen Worte meiner Frau verstehen konnte, so laut rasselte bei mir die Kette und die Haube vibrierte auf der Hutze. Ich verstand, es ging um die Wurst. „Ich gebe alles!“ Was muss man tun, wenn man „im Eimer“ ist und noch schneller fahren soll? Meine Masche: ich stelle mir vor, ich muss von der Arbeit schnell nach Hause, weil meine Frau und mein Sohn mit gebrochenem Bein auf der Treppe liegen, blutverschmiert. Alles schön in Farbe. 20 mächtige Krafttritte, dann wieder einige lockere Umdrehungen, wieder Kraft in einem immer gleichen Zyklus. Den Zyklus nur nicht zu lang werden lassen. Gerettet hat mich wohl die Panne von Wulf. Nach den 12 Stunden ein ganz langer Boxenstopp. „Bitte Zeit stoppen, nach 10 Minuten will ich wieder los“. Ablaufbedingt dauerte es dann 13 Minuten, das führte dazu, das ich noch mehr Wasser trinken konnte. 2 Redbulls, 4 (0.3l) Wasser, 3.5l Apfelschorle. Mal sehen, wie ich nach so einem Ritt wieder auf Spur bin. Ich fühle mich von Beginn an großartig. Es ist auch nicht mehr so heiß. Ich fange an meinen Lufteinlass zu schließen. Es wird dunkel und muss aufpassen, das ich die beleuchtet Begrenzungslichter nicht mit Fahrrädern verwechsele. Irgendwann merke ich, das mein Visier ganz leicht beschlagen ist. Also die Visierbremse angezogen, heißt Fenster auf, um keinen Zusammenstoß zu riskieren. Ich fühle mich gut und fahre so subjektiv mit 48km/h. Meine Frau erzählte mir dann später, daß sich mein Gesamtdurchschnitt nachts nicht verschlechtert hat. Nur die Pausen, die machen 1 km/h aus (ich habe ca 3km/h durch Pausen verloren). Die Alternative mehr Flüssigkeit mit sich führen, wie von anderen gemacht, tagsüber warmes zu Trinken. Bei Fehlgriff muss man dann doch stoppen. Wer mehrmals nachtankt, kann dafür Temperatur und Zusammensetzung besser steuern. Ich würde beim nächsten mal wieder mit 4l fahren, aber den Boxenstopp trainieren. Man beachte, am Boxenstopp kann man 3 km/h herausholen! Der nächste Boxenstopp morgens, ich fahre in die Boxengasse rein und sehe, das mir meine Crew eine Literflasche hochhält. Meinen Camelbag nicht mit dem Schorlegemisch sondern nur mit Wasser hatte ich gewollt. Gasse durchfahren, hat nur wenige Sekunden gekostet, besser als ein unorganisierter Stopp. Nächte Runde fahre ich ein, alles perfekt in Wurftechnik. Langsam wird es wärmer, mein Tempo geht gefühlt in Richtung 40. Ich denke nur, „ich will die 1200er Marke“ und verdammt „die 1200 bekomme ich nicht hin“. Ich trete wieder mit der Notfallstrategie „Frau und Kind auf Treppe“. Der Kreislauf ist am Ende. 5 Redbulls über 24 Stunden habe ich schon intus. Eine davon, damit mir die Augen nicht zufallen. Selbst wenn ich noch eine gehabt hätte, hätte ich mich nicht getraut die zu nehmen. Die Wärme morgens ist eklig. Das kannte ich schon vom Vorjahr. Egal, Spaß macht es jetzt nicht mehr und jede Runde Schnellfahren ringt man sich ab. Bloß nicht nachgeben und mit dem Bummeln anfangen.

Verbraucht habe ich 12l Mineralwasser Gerolsteiner (weil man das überall bekommt und ich weiß, das ich damit zurechtkomme). 4l Apfelschorler Extaler ohne Zuckerzusatz. 0.3l Trinkschokolade, ca 400g Maltodextrin, 2 fettarme Frikadellen, 1 trockende Roggenbrötchen, 5 kleine Redbull, 3 Creatin 0.5g.

Der Bericht zeigt, das Rad ist fast perfekt – an der Belüftung könnte man noch arbeiten um bei Rekordfahrten und im Alltag sein zu können. Das kommt dann sicher in die Serie.

Mein Krafteinteilung war nahe am Optimum, ich wüsste nicht, wie ich noch mehr Watt herauskitzel kann. Ernährung war perfekt.

Meine Crew hat gut funktioniert, sie stand immer wenn ich sie brauchte bereit. Die Anfeuerungszeichen haben mich beflügelt das letzte aus mir herauszuholen. Das Verbesserungspotential geht alleine auf meine Kappe. Klare Ansagen, klares Bereitstellen von

Material und Üben. Zu meiner Entschuldigung darf aber herhalten, das ich in der Planung davon ausging, das ich aus einem fahrenden Milan betankt werde. Das Thema Boxengasse ist relativ frisch.

Wie es mir heute geht? Nichts tut weh, solang ich nicht die Treppe hochsteige. Dann aber auch nur der normale Muskelkater wie nach einem guten 400 oder 600er Brevet.

Mein Fazit: es sind noch 3 km/h drin bezogen auf die 24h. Perfekt läuft aber nie alles.

Am nächsten Dekra Event will ich als Offizieller versuchen die Umstände dafür herzustellen, das mein Rekord gebrochen wird. 1300km in 24h sind möglich mit dem Milan-SL.

Danke für diesen tollen Bericht!

6 comments to Rekordbericht von Christian von Ascheberg

  • Thanks for this translation work Chris… and thans to Christian for such a great recounting of his efforts!

  • Jon Bendtsen

    If heat is a problem, why race in the summertime?

  • Rob: It’s been a pleasure.
    Jon: good question. Maybe because hot air is thinner than cold air?

  • Jon Bendtsen

    @BentBlogger:
    Then just race in the mountains?

  • geoff king

    Let’s think this through. Hot or cold air is only marginally the issue. It is hot, very hot, in New Mexico in the summer but the air is much lighter than hot air in New York City.

    The issue, the only issue really, is humidity, yes? Get out of the sun in New Mexico and you are instantly cooled; standing in the shade in NYC in July doesn’t help much at all.

    So race, regardless of altitude, in air that has the lowest humidity. Yes?

    I have done both and I can vouch for the difference.

    geoff

  • That would speak for in the mountain AND in winter, because thin and cool air can only take few humidity. But you need a track there too. And you have to be able to bring the “officials” there…
    Lausitzring seems to have worked pretty good. You cannot control the weather when making the date of course…