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Fabrikbesuch: RaptoBike

RaptoBike - Arnold Ligtvoet Wie ich in meinem Optima-Besuchs Post erwähnt habe, nimmt mich mein regulärer Job derzeit ziemlich in Anspruch. Daher wurde es ziemlich ruhig hier auf BentBlog.de. Nichtsdestotrotz schaffte ich es auf der Rückfahrt von einem viertägigen Meeting in Noordwijkerhout (Niederlande) vor einigen Wochen (ja, so lange ist das her), die Route derart zu planen, dass ich gemeinsam mit meiner Kollegin und Chefin Gisela zwei Liegeradhersteller besuchen konnte. Der zweite von diesen war RaptoBike.

Als wir am Laden ankamen, war Arnold Ligtvoet, das Gesicht hinter RaptoBike, damit beschäftigt, einen Kunden zu beraten und ein Testrad für ihn einzustellen. Nun, es ist klar, dass Kunden Vorrang haben, wenn ich einen Fabrikbesuch mache, also warteten wir. Übrigens wurden während unseres Besuchs im RaptoBike-Hauptquartier drei Kunden mit Testrädern ausgerüstet und nicht ein einziger kam während unseres Aufenthalts zurück.

Wie auch immer, Arnold ist ein guter Gastgeber und vergaß nicht uns einen guten Kaffee zu geben. Ich nutze die Zeit, während der Arnold mit dem Testfahrer redete, um mich im Geschäft umzusehen. Rahmenteile, teilweise bis vollständig montierte Räder und eine Reihe von Testrädern stehen im Laden. In einer Ecke ist ein Triathlonrad und ein Mountainbike in einer anderen zu sehen. Das Büro ist ein Schreibtisch mit einem Computer in einer Ecke neben dem Montageplatz und direkt neben einer Werbematerialecke ist eine kleine Küche mit Kaffeemaschine in denselben und einzigen Raum eingebaut. Während die letzte von uns besuchte Firma uns etwa 12 verschiedene Modelle zeigte, bietet RaptoBike gegenwärtig zwei verschiedene Modelle an, den Low Racer und den Mid Racer. RaptoBike - Frames

Wie kam es, dass Arnold ins Liegeradgeschäft rutschte? Er erzählte es uns:

Vor etwa fünf Jahren hasste Arnold Ligtvoet es, wenn er auf seinem Tieflieger-Liegerad nass wurde, liebte es aber, schnell zu fahren. Er war ziemlich eifersüchtig auf einen Kumpel aus einer Liegeradgruppe, mit der er zusammen fuhr. Dieser Typ besaß ein Quest und hatte, offensichtlich, nicht dieses Problem.

Wie auch immer, Arnold war etwas verwundert, dass, obwohl man 6500 Euro für so ein Rad bezahlt, man etwa 3 Jahre warten muss, bis man es endlich erhält. Arnold ist kein Ingenieur. Zu dieser Zeit arbeitete er als Projektmanager für eine Telekommunikationsfirma. Er fragte sich, ob es vielleicht zusätzlichen Bedarf auf dem Velomobilmarkt geben könnte. Während ein anderer Mann angefangen hätte, eines zu bauen und dann zu probieren, ob man es auf dem Markt bringen kann, dachte Arnold über Marktforschung nach um herauszufinden, was er wissen wollte.

Dann hörte er von einer Ausschreibung für Forschungsprojekte der niederländischen Regierung, die Marktuntersuchungen im Bereich Transport förderte. Innerhalb von Wochen musste Arnold einen Projektvorschlag einreichen. Dann musste er auf das Ergebnis dieser “Black-Box”, in die er seinen Antrag gesteckt hatte, warten. Nun, Gisela und ich konnten ihm mitteilen, dass es sich hierbei nicht um eine Black-Box sondern um einen hochentwickelten und wohl bewährten Prozess handelt (da es unser Job ist, uns um von der Regierung geförderte Aktivitäten zu kümmern). Schließlich erhielt er einen Vertrag und plötzlich hatte er einen zweiten Job: sein Forschungsprozess.

Dieses Projekt und der Abschlussbericht wären einen eigenen Blog-Post wert – vielleicht werde ich eines Tages einen schreiben. Im Moment kann ich nur empfehlen, Arnold zu kontaktieren, wenn Ihr an einer Kopie des Reports interessiert seid.

RaptoBike - Low Racer Das Geld, das für diese Forschung bezahlt wurde, wurde genutzt um RaptoBike zu gründen.

Arnold fühlte, dass ein Velomobil ein zu komplexes Projekt war, um es zum ersten Produkt einer neuen, kleinen Teilzeitfirma zu machen. Also plante er zunächst den Low Rider. Arnold wollte die technischen Aspekte dieses Rades möglichst klein halten um zu einem geringen Endkundenpreis zu kommen, da er fühlte, dass eine große Anzahl von Leuten  deswegen kein Liegerad kaufte, weil die Preise zu hoch waren. Somit verzichtete er auf eine Federung, vermied eine komplizierte Kettenführung und reduzierte die Länge der schweren Kette indem er ein Rad mit Frontantrieb konstruierte. Arnold machte Skizzen der Teile, die er haben wollte und bezahlte einen Ingenieur um technische Zeichnungen von diesen zu machen, die Kräfte zu berechnen und so weiter. Die Rahmenteile werden in Taiwan hergestellt und Arnold versucht nicht das Rad neu zu erfinden und kauft so viele Teile wie möglich von anderen Firmen, wie den Aero-Lenker den er von HP-Velotechnik bekommt.

2007 brachte er den Low Rider auf den Markt und reduzierte seinen alten job auf vier Tage die Woche um mehr Zeit für sein Geschäft zu haben. Dieses Rad kostete weniger als 1200 Euro in einer technisch einfachen, aber fahrbaren, Ausstattung. Arnold gab offen zu, dass die Kunden sein Geschäft normalerweise mit einer Rechnung über mehr als 1200 Euro verlassen, da Schutzbleche, Licht, Radcomputer und so weiter sich aufsummieren. Viele verschiedene Konfigurationen sind möglich und wurden bereits verkauft.

Deutschland ist noch immer nicht RaptoBikes Hauptmarkt. Arnold denkt, dass die Deutschen wehr auf gute Qualität bedacht sind und zunächst sehen möchten, ob die Räder stabil sind. Arnold argumentierte, dass vielleicht, wenn erstmal die ersten positiven Erfahrungen auf deutsch veröffentlicht sind, sich dies ändern könnte. Als ich erwähnte, dass die meisten Deutschen möglicherweise die Federung vermissten, stimmte er zum Teil zu und erwähnte, dass Mike Borroughs ihn auf die Möglichkeit einer Sitzfederung mittels einer Karbonblattfeder hinwies. Nun denkt er darüber nach, sowas anzubieten.

Letztes Jahr kündigte Arnold seinen Job, mietete eine neue Werkstatt und präsentierte das zweite RaptoBike-Modell. Ein Dual-26 oder 28” Mid Racer, wieder mit Vorderradantrieb aber dieses mal mit nicht verstellbarem Tretlagerausleger. Der Rahmen wird auf die Fahrergröße eingestellt, indem man das Hauptrahmenrohr verlängert oder verkürzt (man schiebt das innere Teil weiter in das andere Rohr oder weiter heraus). Das macht die Einstellung des Rades auf andere Fahrer viel einfacher und der Rahmen wird teilbar, z.B. für einen einfacheren Transport im Auto. Auf die Frage, warum dieser Rahmen ein bisschen teurer ist als der Low Rider Rahmen, stellt Arnold klar, dass er den Preis für den Low Racer sehr niedrig angesetzt hat um die Leute für seine neue Marke zu begeistern. Somit wird das Rad jetzt und später durch die RaptoBike-Marketingabteilung gesponsert.

Auf die Frage auf die Herkunft des Namens RaptoBike, erklärt Arnold, dass er ursprünglich seinen Namen internationalisieren wollte. Ligtvoet bedeutet im lightfoot im Englischen, aber unglücklicherweise existiert bereits eine Liegeradfirma dieses Namens. Als er dann durch ein Latein-Wörterbuch blätterte, blieb er irgendwie bei Raptoren hängen, schnelle Prädatoren, die sich schnell und nahe des Bodens fortbewegen. Nachdem er überprüft hatte, dass die entsprechende Domain frei war, und er ein Okay von der niederländischen Handelsbehörde bekam, war der Name gesetzt.

Nun, jetzt, da RaptoBike zwei Räder anbietet und das Geschäft erfolgreich gründete, wie geht es denn mit dem Velomobil weiter? Arnold lächelte und wieder antwortete er sehr offen auf meine Fragen. Ich gestand ihm zu, nicht zu sehr ins Detail zu gehen, darüber, wie er die Verkleidung bauen möchte; sie wird speziell sein, und ich freue mich darauf die Photos des VMs als erster im Netz zu zeigen;-)

Neuigkeiten, die ich streuen darf, sind, dass Arnold zuerst ein Trike auf den Markt bringen will, welches später die Basis des Velomobils sein wird. Es würde die Kunden verwirren, wenn es sich nicht um ein Vorderradantriebsrad handeln würde und Arnold erzählte mir, dass es ein Deltatrike mit Neigetechnik sein wird. Die Domain raptotrike.com ist bereits registriert.

An diesem Punkt realisierte ich, dass die Zeit zu schnell vergangen ist und keine mehr für eine Probefahrt vorhanden war. Gisela zeigte keine Anzeichen von Langeweile, trotzdem fühlte ich, dass das zuviele Liegeräder für einen Tag für sie waren und unsere Heimat und Familien warteten auf uns. So erklärte ich Arnold, dass es mir sehr leid tat, dass ich seine Räder nicht testfahren konnte. Er antwortete, dass, wenn der Radsaisonstress erstmal vorüber ist, er mir ein Testrad für ein paar Wochen schicken könnte, was ich sehr genießen würde! Arnold, ich werde Dich daran erinnern;-)

Arnold ist ein sehr freundlicher und interessanter Mensch und ich wünsche ihm alles Gute für seine Pläne. Und ich bin sicher, dass er Erfolg haben wird. Er ist von seinen Ideen überzeugt und präsentiert sie klar und überzeugt aber erlaubt einem dabei, kritische Fragen zu stellen. Er ist der Typ Mensch, mit dem Du Spaß in einer Bar haben kannst und Darts mit ihm wirfst. Es  ist faszinierend zu sehen, dass eine Idee zu einem Geschäft führen kann, dass einen ernährt.

RaptoBike - Headquarters

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