Letzten Freitag hatte ich die Chance, Nazca-Ligfietsen zu besuchen, wobei ich nur 20km Umweg machen musste, da ich sowieso in der Gegend war. Das Nazca-Geschäft ist in einem kleinen Dorf im Nordwesten der Niederlande untergebracht (Nijeveen). Die Adresse (Dorpsstraat 67) illustriert schön, dass es sich weder um einen aus Glas und Stahl erbauten Konsumtempel in der Fußgängerzone einer Metropole noch um eine Fabrikhalle in einem Gewerbegebiet handelt: es zeigt sich, dass der Laden in einem schönen Haus am Rand einer Kopfsteinpflasterstraße untergebracht ist, die Sonne scheint, alles drumherum ist grün, man kann die Vögel zwitschern hören, mit einem Wort: idyllisch!
Ich wurde von Monique Holterman begrüßt, die Nazca mit ihrem Geschäfts- und Familienpartner Henk van der Woerdt leitet. Wir tranken einen Kaffee und warteten auf Henk, der sich erst noch um einen Kunden kümmern musste. Zwischenzeitlich erklärte Monique mir noch, dass die Rahmen nicht in Nijeveen produziert werden, sondern etwa 150 km von dort entfernt bei Rainbow in Aalten. Die schweißen die Rahmen und machen die Pulverbeschichtung. Ich fragte sie, welches ihr Rad sei und sie zeigte auf ein Paseo, das im Laden stand. Ich begann Späße über ihr Rad zu machen, da es keine Pedalen hatte und sie beteuerte, es am Vortag gefahren zu sein. Also nahm ich, eher nicht besonders ernsthaft, an, dass Henk sie vielleicht verkauft hätte – aus irgendeinem Grund haben wir das nicht geklärt, als Henk schließlich auftauchte. Danach hatten wir einen netten Nachmittag indem wir uns über Liegeräder im Generellen und Nazca Liegeräder im besonderen unterhielten.
Monique und Henk begannen mit ihrer Firma in den späten 1990ern. Ursprünglich wollten sie eine Vielzahl von Radsachen herstellen, zusätzlich zu ihren Liegerädern. Da sich aber ihre ersten Modelle (das Cruiser und das Explorer) so gut verkauften, entschieden sie “nur” Räder zu produzieren. Auf der Suche nach einem Namen für ihre Marke, fanden sie keinen aussagekräftigen Namen. Da sie mit ihren Kindern durch Mittel- und Südamerika gereist waren, bevor sie ihre Firma gründeten, beschlossen sie einen Namen zu wählen, der sie an diese Reise erinnern sollte: Nazca!
Henk ist von der Ausbildung her ein Ingenieur für Schiffbau (Menschen mit einer engen Beziehung zu Schiffen können keine schlechten Menschen sein) und arbeitete als Projektmanager für eine Kraftwerksbauprojekte. Er hatte das satt und wollte selbständig sein. Er ist der Designer aller Nazca Liegeräder und hat mir erzählt, dass ihn das Design jeden Modells etwa zwei Jahre gekostet hat. Heute bietet Nazca sechs verschiedene Modelle in einer Vielzahl von verschiedenen Ausstattungen an. Man kann ihr Portfolio in zwei verschiedene Generationen einteilen:
Cruiser, Explorer, Fiero und Pioneer gehören zur älteren Generation: Die Rahmen haben eine eher simple Struktur, einen Hauptrahmen und eine Schwinge, die mit diesem über ein eher kleines Schwingenlager verbunden ist. Diese vier Modelle sind eigentlich eher drei, da der Cruiser nicht mehr als die Obenlenkungsvariante des untengelenkten Explorers ist. Man kann alle Nazca-Räder mit Oben-, Aero- oder Untenlenkung bekommen, außer dem Fuego und dem 28” Gaucho, die es nicht mit Untenlenkung gibt.
Gaucho, Fuego und Paseo sind Mitglieder der neueren Generation. Betrachtet man sich ihre Rahmen, wird der Blick von zwei schönen Aluminiumplatten gefangen, die den Hauptrahmen mit einem Teil verbinden dass Sitz und Gepäckträger hält. Auch die Schwinge ist in diesen Platten mit großen Buchsen gelagert. Der Vorteil dieses neueren Rahmentyps ist das feinere Ansprechen der Schwinge bei Unebenheiten der Fahrbahn und einer besseren Kettenlinie, da die Befestigung der Schwinge nicht mehr über die Platten hinausreicht.
Henk erzählte mir, dass es noch einen weiteren Vorteil dieser Lösung gibt: Wenn er sein 28“ Gaucho auf einen Urlaubstrip mitnimmt, baut er Räder, Ausleger und Sitz ab, löst die Schrauben des Dämpfers und des Sitzrahmenteils. Dann “klappt” er alles zusammen und es passt in einen großen Koffer. Er benötigt dafür 30 bis 40 Minuten, was der Grund sein mag, warum der Gaucho nicht als faltbares Liegerad beworben wird;-).
Natürlich haben die neueren Rahmen auch einen Nachteil: es ist komplizierter, sie zu bauen. Daher kosten diese Räder einige Hundert Euro mehr. Um es vorwegzunehmen: die älteren Rahmen fahren sich auch sehr gut. Ich habe dies verglichen indem ich ein Pioneer und ein Fuego fuhr.
Wenn ich schreibe, dass Nazca sechs verschiedene Modelle mit einer Vielzahl von Ausstattungen verkauft, bezieht sich das nicht nur auf die Komponenten, die sie and die Rahmen anbringen: zusätzlich ist der Gaucho mit 24”, 26” und 28”-Rädern erhältlich. Zusammen mit dem Pioneer ist das die Highracer-Section des Nazca-Portfolio. Explorer, Cruiser und Paseo decken das klassische europäische 20/26” Raddesign ab und sie werden komplettiert durch den 20/26” Semi-Lowracer Fuego und das 20/20” Fiero.
Die Räder können auf viele verschiedene Weisen angepasst werden: Ausleger, Sitz und Dämpfer können in vielfältigen Kombinationen angepasst werden, bis sie dem Fahrer schließlich richtig passen.
Auf die Frage, was das nächste Modell sein solle, nun, da das Gaucho auf dem Markt ist, kämpfte Henk mit sich, ob er es mir sagen sollte oder nicht – schließlich verlor er und erzählte mir, dass er im Begriff ist, ein Tandem zu erschaffen. Der Grund dafür ist, dass er mit einem blinden Freund auf den Mont Ventoux fahren will. Henk beabsichtigt es in 26/26” zu bauen.
Mit seinem 28” Gaucho ist er übrigens schon auf den Mont Ventoux gefahren und hat dabei nur wenige Minuten mehr benötigt als einige Jahre zuvor mit dem Mountainbike.
Als wir in die Werkstatt gingen, die im hinteren Teil des Hauses liegt, zeigte Henk mir eine Liste mit Teilen, die sie jedes Mal wenn ein Rad bestellt wird, erstellen. Man kann darauf jede Schraube finden, die man benötigt, um das Rad zu bauen. Das ist nötig, erklärte Henk mir, da sie den Vorrat und die Bestellungen aller Teile, sowohl in Nijeveen als auch bei Rainbow in Aalten managen müssen. Alle Räder für niederländische Händler werden von Aalten aus zusammengebaut und verschickt. Alle Räder, die in andere Länder geschickt werden, kommen zusammengebaut nach Nijeveen, bevor sie nach einem letzten Check von dort aus versendet werden.
Die Werkstatt befindet sich in einem Wintergarten, ein heller Arbeitsplatz mit allem was man in einer Fahrradwerkstatt braucht und einer Treppe auf den Speicher, wo Tonnen von Komponenten, Rädern, Reifen und was man sonst noch so braucht, gelagert werden.
In der Werkstatt treffe ich Peter Haan, den manche von Euch wahrscheinlich von seinem Blog pjotr320.blogspot.com her kennen. Als ich ihn vor einigen Wochen per Mail kontaktierte um zu fragen, ob ich trotz meiner kurzen Beine auf ein Pioneer passen würde, stellte sich heraus, dass wir gleich groß sind und gleichlange Beine haben. Nun sehe ich, dass er nur etwa halb soviel wiegt wie ich; Er ist ein Rennfahrer – ich nicht! Peter arbeitet einmal wöchentlich für Henk und Monique.
Wie seine Chefs, ist auch er ein netter Typ. Wieder “verschwenden” wir Zeit, indem wir über Liegeräder, HPV-Entwicklungen, Politik, die Finanzkrise und wasweissich reden.
Schließlich realisiere ich, dass ich außerdem noch einige Räder fahren wollte und schnell justiert Henk ein Pioneer und ein Fuego für mich.
Zunächst fuhr ich das Pioneer. Es war für mich das erste Mal, dass ich einen 26/26” Lieger fuhr. Der Sitz ist gerade niedrig genug für mich, aber den Fuß so hoch zu bekommen nach dem Losfahren ist weniger einfach als ich dachte. Schließlich schaffe ich es doch und sofort stellt sich eine positive Beziehung zu dem Rad ein. Aufgrund seiner großen Räder, verhält es sich selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten stabil. Unglücklicherweise war der Tiller nicht richtig eingestellt als ich losfuhr. Das machte nichts aus, solange ich geradeaus fuhr. Nur wenn ich die kleinste Kurve fuhr, kickte ich den Lenker mit meinem Oberschenkel. Das ist nicht die Schuld des Pioneers. Wir hatten halt zulange geplaudert und mussten uns darum sputen, damit ich überhaupt noch fahren konnte!
Der Laden schließt Freitags um 18:00 Uhr, so machte ich nur einen kurzen Trip. Das Pioneer ist ein großartiges Rad zum Pendeln, Reisen und als Alltagsrad. Trotz seines konservativen Rahmendesigns und der starren Gabel, verhält es sich sehr komfortabel und einfach zu bedienen. Das große Vorderrad verbessert zwar die Stabilität, ist aber etwas schwerer zu beschleunigen (was vielleicht ein Thema für Renn-Peter ist, nicht aber für mich) und selbst mit meinen kurzen Beinen (Innenbeinlänge von 80cm), berührte die Kurbel nicht das Vorderrad. Auch meine Füße berührten zu keiner Zeit das Rad.
Als ich nach dem Preis des Rahmensets fragte, lernte ich etwas über Henk und Monique. Es schien ihnen peinlich zu sein, mir sagen zu müssen, dass sie gerade die Preise anheben mussten. Macht Euch nichts draus, Monique und Henk, Ich finde, dass es immer noch ein günstiges Rad ist!
Das Fuego fährt sich völlig anders. Man spürt sofort, dass es für höhere Geschwindigkeiten gebaut ist. Bei langsamer Fahrt, habe ich Probleme das Rad stabil zu halten. Ich bin überzeugt, dass das eine Sache der Gewöhnung ist: nach 100 oder 150km würde dies kein Problem mehr sein, davon bin ich überzeugt. Die beste Lösung für diese Eigenheit ist es, schneller zu fahren; das ist es, wofür dieses Rad gemacht ist.
Auf dem Fuego zu fahren, kam mir mehr wie in dem Rad liegen als darauf vor – ein weiterer Unterschied zum Pioneer. Es beschleunigt leicht, kam mir aber weniger gut maneuvrierbar vor als das Pioneer. Als ich auf einer kleinen Straße umdrehen wollte um zurück zum Nazca-Laden zu fahren, griff ich sogar nach dem Gepäckträger um das Rad umzuheben; die Straße war nicht breit genug. Ein schönes Rad, das ich gerne als Sportrad zusätzlich zu meinem Alltagsrad hätte. Um damit Brevets oder schnelle Ein- oder Zweitagestouren zu fahren, mit wenig Gepäck.
Schließlich brachte ich das Rad zurück und ließ Monique and Henk ihren Laden abschließen. Ich hatte sie lange genug belagert. Ich hatte einen fantastischen Nachmittag und habe extrem nette Leute getroffen. Ich bin sicher, ich war nicht das letzte Mal in Nijeveen.

As a Nazca owner in the USA, I appreciate your write-up on your visit to the Nazca factory. I hope to go there myself within a year or two.
I am not yet a Nazca owner, but did pay a visit to Henk and Monique early in July. Before making a purchase, I decided I would pay them a visit to test ride a Pioneer and a Gaucho 24. These test rides confirmed my suspicions that purchasing a Nazca recumbent will not be a mistake. As mentioned in the article, this was not my last visit. I am beginning to make plans for a return trip in a year to take possession of a Nazca recumbent.