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Roll Over America – Ein Interview

Josef Ihr habt vielleicht schon im recumbentblog.com oder bei ligfiets.net davon gelesen. In einer Diskussion im Bentrideronline.com message board äußerte ein Velomobilist, Josef Janning, seinen Wunsch, die USA mit dem VM zu durchqueren. Nach kurzer Zeit wurde daraus die Roll Over America Tour (ROAM). Die Entwicklung der Pläne kann auf rolloveramerica.eu verfolgt warden. Außerdem gibt es Diskussionen dazu im Deutschen Velomobilforum, Gentseliggers und in der niederländischen Liegerad-Google-Gruppe. Das Ereignis startet beim Left Coast Velomobile Gathering in Portland, organisiert von Craig Johnsen. BentBlog hat Josef und Craig interviewt:

BentBlog: Craig, Du organisierst das Left Coast Velomobile Gathering in Portland, Oregon. Sag mal, warum hast Du angefangen, das zu machen und was ist die Idee dahinter?

Craig: Das originale Left Coast Velomobile Gathering wurde im südlichen Kalifornien begonnen und war das Ergebniss einer beiläufigen Online-Konversation mit einigen lokalen VM-Fahrern. Die Absicht war, an einem Platz einige dieser raren Maschinen zusammenzuziehen, sowohl um zusammen zu fahren als auch um das Konzept des VM als mögliche Alternative zum Auto öffentlich zu machen. Letztes Jahr, in Verbindung mit dem Oregon Human Power Vehicle Club, konnten wir das Ereignis nach Portland, Oregon holen, einer sehr Fahrrad-freundlichen Stadt (für die USA). Der Zeitpunkt fiel mit einem wachsenden Interesse in Nordamerika an Velomobilen als alternative Form des allwetter-Transportes zusammen. Das LCVMG im letzten Jahr war bis jetzt das größte mit 20 teilnehmenden VMs.

BentBlog: Wie würdest Du die US-amerikanische Velomobil- und Liegeradszene beschreiben?

Craig: Während Liegeradfahrer in den Vereinigten Staaten langsam sichtbarer werden, verlässt die Velomobilbewegung gerade mal die Kinderschuhe, mit Bezugsquellen wie BlueVelo in Toronto und der Verfügbarkeit von neuen Modellen wie dem Glyde welches nun durch verschiedene Greenspeed-Händler erhältlich ist. Der Liegeradmarkt hier (in Nordamerika) ist noch ziemlich klein, er macht nur einen winzigen prozentualen Anteil der jährlichen Radverkäufe aus. Als persönliches Beispiel: bei einer lokalen, gut besuchten Wohltätigkeits-Fahrradtour von 10000 Fahrern, würde ich mal schätzen, dass da nicht mehr als 50 Liegeräder waren und keine VMs. Wie auch immer, das Internet bleibt die Hauptquelle um über VMs zu lernen, durch Foren, Videos und die öffentliche Darstellung von organisierten Veranstaltungen wie das Left Coast Velomobile Gathering und wir hörten mehr “buzz” von diesen Maschinen.

BentBlog: Josef, die  Roll Over America-Tour, die ich in meiner Einleitung erwähnte, erschien zum ersten Mal in einem Bentrideronline-Forumpost von Dir. Was ist Deine Motivationum den enormen Aufwand der Planung einer solchen Veranstaltung auf Dich zu nehmen?

Josef: Es begann halt wie eine dieser wilden Ideen. Da fast sofort positives Feedback kam, schloss ich, dass ich nun ein Projekt daraus machen sollte. So etwas mit einer Gruppe zu machen ist etwas wirklich Spezielles. Ich habe immer die niederländischen Velomobilfahrer bewundert, für die Veranstaltungen, die sie durchführen. Roll over America ist eine Tour im selben Geiste.

BentBlog: Das Left Coast Velomobile Gathering wird der Startpunkt für diese Tour sein. Das Ziel ist die US-Hauptstadt, Washington DC. Ist eine Art politische Aussage mit ROAM verbunden?

Josef: Die Schlüsselaussage ist, dass dies Räder Spaß machen und dass sie sehr praktisch sind. Wir benutzen keine Rennräder. Diese Tour wird mit Maschinen durchgeführt, die die Fahrer sonst nutzen um ihre Transportbedürfnisse zu befriedigen, wie zur Arbeit zu fahren. Also, denke ich, in politischer Hinsicht stehen wir für die „mit dem Rad zur Arbeit“-Idee. Portland ist eine bekannte radfreundliche Gemeinde und DC ist der Ort wo die Leute dessen bewusst werden müssen.

BentBlog: Denkst Du, dieses Ereignis wird einen Einfluss auf die amerikanische Liegeradszene haben, Craig?

Craig: Ich glaube, dass es helfen wird, Aufmerksamkeit auf Velomobile und ihre Einsatzmöglichkeiten zu lenken, und da geplant ist, die USA zu durchqueren, bietet dies Menschen, die irgendwo an der Route leben, eine großartige Möglichkeit, die europäischen Velonauten zu treffen und/oder mit ihnen zu fahren. Neue Perspektiven scheinen immer hilfreich zu sein, um solch „unterschiedliche“ Arten des Reisens zu verstehen.

BentBlog: Um Eure Velomobile in die Vereinigten Staaten zu bringen, werdet Ihr vermutlich einen Seecontainertransport über den Atlantik benötigen. Inklusive der Vorbereitung der Container, den Zollformalitäten und der Transportzeit, werden die VMs ungefähr 3-4 Wochen vor und nach der Veranstaltung von Ihren Besitzern getrennt sein. Wie kann ein VM-Süchtiger das überleben? Wie werden die VM-Pendler zur Arbeit kommen?

Josef: Das ist der schwierige Teil. Der Transport benötigt 12 Tage, also werden wir für drei Wochen ohne VMs sein. Dann haben wir 30 Tage die endlosen Straßen vor uns, die uns für diese Härte entschädigen werden.

BentBlog: Die VMs am Ende der Tour zu verkaufen und ein neues für den Zeitpunkt zu bestellen, wenn Ihr das “alte” in den Container schiebt, könnte doch eine Lösung sein. Glaubst Du, es gibt einen Markt für gebrauchte VMs in den Vereinigten Staaten, Craig?

Craig: Ohne Zweifel! In den Liegerad- und VM-Foren gibt es viele Leute, die erwähnen, dass sie es sich nicht leisten können, ein neues Velomobil zu kaufen, und die daraufhin bereit sind zu versuchen etwas zu bauen, das auf ein existierendes Trike aufgesetzt werden kann, um die Vorteile eines Velomobils zu genießen. Nun werden die VMs die rübergebracht werden wahrscheinlich viele der Verbesserungen der jüngsten Generationen von VMs enthalten. Entwicklungen wie Vollfederung, gute, integrierte Beleuchtungen und bewährte Designs geben diesen Maschinen großen Wert, speziell, wenn der angefragte Preis realistisch ist.

BentBlog: Josef, was muss jemand mitbringen und haben, der bei diesem Ereignis teilnehmen möchte?

Josef: Teilnehmer benötigen vor allem drei Dinge: Ein Velomobil, den Willen und die Beine um es durchzuziehen und 30 Tage Zeit.

BentBlog: Um es klarzustellen: Du suchst nicht explizit nach Rennfahrern, richtig?

Josef: Nein. Wir fahren kein Rennen; Wir weren Cruisen oder Rollen, wie ich pflege, es auszudrücken, da es das ist was ein Velomobil in Fahrt tut. We sollten so ungefähr 200km pro Tag fahren, mit einem Pausentag pro Woche. Das ist machbar für einen erfahrenen und trainierten Radfahrer. Man muss kein Athlet sein um das zu machen, schlicht wegen der Effizienz des VM.

BentBlog: Werden nur Europäer teilnehmen dürfen oder warden Amerikaner Euch begleiten?

Josef: Es gibt eine offene Einladung an alle nordamerikanischen Velomobilfahrer, uns wie lange auch immer zu begleiten. Übrigens haben mir schon einige angedeutet, uns zu für eine Weile zu begleiten. Zusammenzufahren wird ein essentieller Teil der Erfahrung sein.

BentBlog: Außer den Teilnehmern in den VMs, was braucht Ihr sonst noch? Wie organisiert Ihr Servicefahrzeuge, Unterbringung, Verpflegung und den Kontakt zu den lokalen Medien?

Josef: Mit alldem müssen wir uns beschäftigen, während das Projekt vorangeht. Der Fortschritt wird auf der Website www.rolloveramerica.eu aufgezeigt. Ich plane mit drei Unterstützungsfahrzeugen, zwei Vans und ein Laster. Der Laster ist die Reparaturwerkstatt und VM-Transporteinheit, für den Fall, dass wir ein Problem nicht sofort beheben können. Ein Van wird vorausfahren und die Pausen vorbereiten und einer wird bei der Gruppe bleiben, falls jemand Hilfe braucht. Für die Übernachtungen werden wir uns nach guten Campingplätzen umsehen und nach Motels. Mit einer Gruppe dieser Größe muss man das im Voraus planen. In Bezug auf Medienbeziehungen werde ich mit den Medien entlang der Route in Kontakt treten, mit der Hilfe von vielen US-Radlern, die dem Plan bereits folgen und ihn unterstützen. Es gibt da eine Reihe rad-bezogener Organisationen mit denen ich in Kontakt treten werde um ihre Unterstützung hierfür zu erhalten.

BentBlog: In diesem Moment: Welche Art von Hilfe benötigt Ihr um weiterzumachen? Was sind die nächsten Schritte für Euch?

Josef: Ich bin glücklich zu sagen, dass es bereits eine ganze Anzahl an Leuten gibt, die unseren Plan in unterschiedlicher Weise unterstützen. Das ist essentiell. Jetzt geht es darum, eine Gruppe zusammenzubekommen, 3 Fahrer aufzustellen, die sagen, sie möchten daran teilhaben (was weniger ist als dafür zu unterschreiben, aber mehr als nur zu sagen, dass sie die Idee mögen). Mit dieser Gruppe und der Arbeit die gemacht ist werde ich dann Sponsoren angehen. Mein Ziel ist es, den Transport, die Unterstützung und die Organisation abgedeckt zu haben plus der Reiseerlaubnis für alle Teilnehmer. Um das hinzubekommen, muss ich was starkes und realistisches präsentieren.

BentBlog: Ich werde der Entwicklung des ROAM folgen und bin neugierig auf die Dinge die kommen. Viel Glück mit ROAM, Josef und Viel Glück mit den LCVG, die noch kommen, danke Euch beiden für das Interview.

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