Archiv

Die Überführung des Mango 211 von Groningen (NL) nach Riegersburg (AT)

Mango 211 Vor einigen Tagen habe ich einen Post auf dem velomobilforum.de gelesen, in dem ein Österreicher grob berichtete, wie er sein Mango (Nummer 211) von Groningen nach hause fuhr. Ich bat ihn um mehr Informationen und erhielt viele Photos und einen Report in Form eines Logbuchs. Dieser Report ist so gut, dass ich ihn nicht mehr überarbeitet habe.

Gerd schrieb:

Hallo Chris!
Ich hab mal einen kleinen Bericht verfasst und möchte wie folgt über meine lange Reise berichten:

Erster Tag: Start gegen 12.45 Uhr bei zeitweisem Sonnenschein und Südwestwind in Groningen durch die Stadt in Richtung Nordwesten. Ich bin vorerst nur auf Radwegen unterwegs. Ich möchte das Meer sehen und will am ersten Tag zumindest auf den Abschlussdamm (Afsluitijk). Es geht über Noordhorn, Grijpskerk, Buitenpost, Noardburgum, Leeuwarden, Franeker und Harlingen Richtung Damm. Ich fahre ohne Schaumdeckel und ohne Dach, und es geht anfangs sehr gut, Wind von hinten und seitlich, es geht gut voran, ich bin überrascht, dass ich auf so gut wie keiner Straße fahren kann (überall gibt’s Schilder: Radfahren verboten) Ich muss immer die daneben liegenden Radwege benutzen, die sind meist nur mit Nummern beschildert und sind vor allem in Ortschaften oft verwirrend geführt. Oft verfahre ich mich. Eine genaue Route hatte ich mir nicht erstellt und so navigiere ich mit meinem Garmin Oregon 400t, auf dem leider noch keine routingfähigen Karten installiert waren, grob in die Richtung in die ich will. Den Garmin hatte ich erst eine Woche vor dem Start bestellt und erst am letzten Tag mit der Post erhalten – so´n glück aber auch…. Und die Ampeln: wenn Autofahrer in die gleiche Richtung Grün haben, haben die Radfahrer nicht automatisch grün, erst wenn sie an der Ampel einen Knopf drücken (der mit dem Mango nicht leicht zu erreichen ist) wird die Ampel für Radfahrer grün. Die Fußgänger, die ebenfalls die gleiche Richtung wollen, haben aber auch nicht grün. Am Anfang ziemlich verwirrend, wenn ich bei grünen Radfahrerampeln losgefahren bin und dann in meine Richtung die roten Fußgängerampeln sah. Es gab aber auch automatische Radfahrerampeln, die mit Sensoren das Herannahen eines Fahrrades erkannten und automatisch auf Grün schalteten! Bei der Hälfte der Fahrt frischt der Wind deutlich auf, er kommt von seitlich vorne und nimmt unglaubliche Stärke an. Es beginnt zu Regnen und ich habe alle Hände voll zu tun, mein Gesicht vor der Nässe und Kälte zu schützen (hätte ich doch das Dach montiert, das meine Schwester im Auto hat). Immer wieder verliere ich meine Baseball Kappe wenn ich meinen Kopf etwas weiter nach hinten neige. Durch das oftmalige Aus- und Einsteigen funktioniert dieses schon viel besser als noch im Geschäft, wo ich mich ziemlich ungeschickt angestellt hatte. Wenn ich unvorsichtig einsteige, rutscht außerdem der Sitz von der hinteren Querstrebe, an der er normalerweise einhaken soll. Die dann sehr tiefe Sitzposition würde mir aber besser gefallen, es rattert aber eine Umlenkrolle an der Sitzschale. Ich rette mich vor dem horrenden Wetter in Franeker oder Harlingen in ein Mc.Donalds Restaurant. Nach dem Essen dort hat es inzwischen aufgehört zu regnen, es ist dunkel geworden und ich fahre über den Damm Richtung Dan Oever, es ist sicher 19.00 Uhr, ich hätte den Damm gerne im Tageslicht überquert. Ich nehme ein Zimmer im Hotel gleich gegenüber des Damms. Meine Schwester erwartete mich, sie fährt morgen nach Amsterdam  und dann Richtung Heerlen im Süden Hollands zu meiner Tante und ihrer Familie und wartet dort auf mich. Mein Onkel teilte mir am Telefon mit, es hatte Windstärke 8 an der Küste.
Kilometerstand: 155;

Mango 211 Zweiter Tag: Es ist bedeckt und es regnet. Ich montiere das Versatiledach und habe gleich bei Kilometerstand 166 den ersten platten Reifen rechts vorne. Den Schlauch schnell ausgetauscht, und aufgepumpt, mit der Pumpe die von Sinner beigelegt wurde, geht’s aber nicht so leicht, wie ich mir das vorgestellt hatte. Die Radwege sind ziemlich dreckig, oft voller Steine und Erde. Der Wind ist weiterhin sehr stark. So stark, dass er – wenn ich nicht genau gegen den Wind fahre, das Versatiledach seitlich aus seiner Fixierung mit der Klettverbindung reisst und ich das Dach mit dem Kopf seitlich halten muss. Ich starte Richtung Westen, finde den Radweg der entlang der A7 führt, nicht und irre anfangs mal Richtung Südwesten dann Südosten durch Schagen, Alkmaar und was weis ich wo, bis ich endlich wieder Richtung A7 komme.  Das Mango ist ziemlich sperrig beim Reversieren. Will ich retour, muss ich mit den Beinen aus den Fußöffnungen und nach hinten trippeln. Das ist mühsam, da die Kurbel ebenfalls nach hinten dreht und  dann irgendwann mit den Beinen kollidiert. Das Rückwärtsfahren sieht sicher sehr unbeholfen aus.  Es geht Richtung Edam und endlich an besseren Radwegweisern vorbei Richtung Amsterdam. Nun sind auch aus weiterer Entfernung die nächsten Städte wie Ütrecht oder Eindhofen beschildert. Es lockert auf und ich habe zum Teil Sonnenschein. In Amsterdam gehe ich in der Eersten Oosterpark Straat in eine südländische Imbissbude, esse Spaghetti und trinke Cola. Es geht anschließend deutlich besser, fahre durch Ütrecht, Houten, Culemborg Richtung Waardenburg, wo mir bereits im Dunkeln ein blaues oder schwarzes (vielleicht auch rotes?) Mango, ebenfalls mit Versatiledach entgegen kommt. Wir begrüssen uns mit (gleichem) zweimaligem Hupen, wir habens scheinbar beide sehr eilig.
Irgendwo kontrolliere ich an einer Shell Tankstelle den Luftdruck in den Reifen und muss feststellen, dass ich die letzten 70 km mit weniger als drei Bar auf dem rechten Reifen unterwegs war – und lasse, wie ich später feststellen musste, meine hintere rechte Radabdeckung liegen. Ich habe das Gefühl, dass im Antrieb und Zwischengetriebe des Mango doch einiges an Kraft verloren geht. Gefühlt läuft es mit dem mittleren Kettenblatt am leichtesten (und leisesten). In Waardenburg gehe ich (schon wieder) in ein Mc.Donalds Restaurant – ich glaub ich habe Burgerentzug. Es ist schon 20.00 Uhr, als ich beginne, eine Unterkunft zu suchen. Die auf dem Garmin angezeigte Pension in Tuil kann ich nicht finden- nur normale Wohnhäuser, so fahre ich noch über die Maas Brücke nach Zaltpommel, wo ich im Hotel Tivoli nächtige. Es handelt sich um ein Chinarestaurant mit Zimmern und bereue bereits den Mc.Donalds Besuch, da es hier sehr leckeres Buffet gegeben hätte. Mein Mango kann ich in einem Wintergarten, der den Restaurantbesuchern als Raucherraum dient, unterstellen. Die Heizung im Zimmer funktioniert sehr schlecht, die Kleidung, die ich nach jedem Tag durchwasche, wird aber bis am Morgen trotzdem trocken. Dafür gibt’s W-Lan im Restaurant und ich kann mit meinem i-Phone im www. surfen.
Kilometerstand: 350

Mango 211 Dritter Tag: Das Mango stinkt nach Zigaretten. Das Wetter ist bedeckt, aber keine Niederschläge. Der Wind ist nach wie vor ziemlich stark und kommt genau aus der Richtung, in die ich will. Die Radwege sind besser ausgebaut, als im Norden des Landes, trotzdem sind vor allem die Ortsdurchfahrten oft ziemlich verwirrend. Es gibt unglaublich viele Fahrradwegbaustellen. Ich komme langsam hinter das System der Beschilderung und erkenne auch den angezeigten „dorchgangsverkehr“, den ich bei den Stadtdurchfahrten wählen muss. Es geht durch s`Hertogenbosch weiter nach Eindhoven, wo ich mich trotzdem verirre und unzählige Kilometer falsch fahre. Es geht weiter Richtung Heze, Sterksel, Maarheeze, Budel zur belgischen Grenze. Ich glaube in Bocholt besuche ich das „Fietsencafe“, wo zig ältere Damen Kaffee mit Eis, Sahne und Toblerone sowie irgendetwas Alkoholisches zu sich nehmen. Ich trinke zwei Cola und zahle 2,20 Euro- es ist überall überraschend billig- viel billiger als in Österreich. Über Bree, Opiter komme ich nach Maaseijk, wo ich wieder über die Maas in die Niederlande einreise. Es ist wieder etwas schöner, der Wind lässt aber nicht nach. Kurz vor dem Ziel (Heerlen)  navigiere ich nun mit meinem Auto-Navi, das mich aber einen ziemlichen Umweg einschlagen lässt. Ich fahre über Susteren, Sittard, verlasse wiederum Holland und fahre kurz über Deutschland und Kerkrade Richtung Heerlen, wo ich die ersten Höhenmeter überwinde. Ich bin überrascht, wie schwer das Mango bergauf zu bewegen ist…. Und bin überrascht, wie schlecht die Bremsen bei den Abfahrten ziehen. Ich werde gegen 17.30 Uhr von meinem Onkel, Tante, Schwester, Cousin und dessen Tochter erwartet. Ich bin froh, endlich da zu sein und wundere mich über die Routenführung des Garmin Nüvi 360. Ich bin einen ziemlichen Umweg gefahren.
Kilometerstand: 506

Meine rechte Achillesehne ist entzunden, ich brauche einen Tag Pause. Am Tag darauf sind wir unterwegs nach Aachen, besuchen den Dom und den Weihnachtsmarkt. Ich besorge mich in einer riesigen Buchhandlung ein Touren Radbuch von Deutschland. Es ist eine sehr praktische Radweg Übersichtskarte im Maßstab 1.100.000 dabei, der mir bei der Routenwahl durch Deutschland sehr dienlich sein wird. Mit Voltaren aus der Apotheke schmiere ich mich ein, am Abend wird die Sehne deutlich besser, ich bin schon wieder guter Dinge und fühle mich immer fitter und fühle mich immer mehr bestärkt in der Entscheidung, Tags darauf weiter zu fahren. Meine Schwester hat noch bis Dienstag frei und begleitet mich noch einen weiteren Tag – Ich setze mir als Ziel für den nächsten Tag Koblenz am Rhein. Mit meinem Onkel suche ich mir die Route Richtung Rhein und notiere mir auf einem Zettel die Ortschaften, an denen ich mich orientieren werde.

Mango 211 Vierter Tag: Bedeckt, Wind ist nicht mehr so stark. Ich fahre über Kerkrade, nach Deutschland, Düren, Frauwüllesheim, Euskirchen – wo ich sicher eine halbe Stunde lang Runden drehe – Baustellenwahnsinn – Wormersdorf, das Ahrtal Richtung Sinzig und Bad Breisig. Ich stelle fest, dass ich fast immer dann durch größere Ortschaften fahre, wenn Schülergruppen auf die Busse warten. Die Reaktionen auf das Mango sind meist mühsam. Kurz davor in Heimersheim sehe ich aus den Augenwinkeln das Schild „Grazer Stuben“ und halte an. Ich will schnell was trinken und schaue, was es mit mit dem „Graz“ im Namen auf sich hat. Im Restaurant finde ich den Wirt, die Frau und noch zwei Personen vor. Man teilt mir mit, dass Ruhetag ist, werde aber trotzdem auf eine sehr sehr köstliche Frittatensuppe und eine Almdudler Limonade eingeladen. Danke nochmal an die Familie Teuschler. Ich übersehe kurz vor Bad Breisig ein „Fahrradfahren Verboten Schild“ und fahre ein kurzes Stück auf einer zweispurigen Autostraße, von der ich auf der nächsten Abfahrt schnell wieder abfahre. Jetzt erst das erste Mal, dass mich jemand mit dem ungewöhnlichen Rad anhupt. Ich komme das erste Mal zum Rhein, der Radweg ist fast durchgehend gepflastert, wie übrigens fast überall in Holland auch. Es geht aber gut voran, in Koblenz ist es bereits dunkel und finde ich mich nur schwer zurecht. Der Radweg ist ab der Moselmündung nur spärlich beschildert und sehr verwirrend. Ich kann mich aber bei einigen Bikern durchfragen und fahre bis Boppard, wo ich direkt an der Rheinpromenade ein Hotel nehme. Es ist trotz der tollen Lage günstig. Das Mango wird in einem kleinen Hof geparkt. Es ist laut am Rhein, am gegenüberliegenden Ufer fährt mindestens alle fünf Minuten ein Güterzug. Boppard ist sehr schön, wie sehr viele Städte, durch die ich komme, hab aber leider viel zu wenig Zeit das alles entsprechend zu genießen, schade eigentlich.

Kilometerstand: 710

Mango 211 Fünfter Tag: Es geht den Rhein entlang durch die Loreley, schade dass das Wetter nicht besser ist, die Gegend ist wirklich sehenswert. Meine Schwester macht noch einige Fotos und fährt dann mit dem Auto weiter Richtung Österreich. Ich fahre Richtung Mainz, verfahre mich dort ordentlich und komme an einen unbefestigten Weg mit riesigen Pfützen. An einer tauche ich vorne so weit ein, dass sich über die Fußlöcher Wasser in den Innenraum und über die ganze Hose ergießt. Ich bin ziemlich eingesaut. Zwei am Mango ziemlich interessierte Biker weisen mir dann den Weg durch die Stadt und über die große Rheinbrücke. Ich fahre dann den Main entlang, wieder Baustellenwahnsinn auf Höhe der Opel Werke in Rüsselsheim. Anschließend finde ich wieder den Radweg und bin dann überrascht, wie gut es dann trotzdem wieder weiter geht. An manchen Tagen glaube ich, dass ich nicht mal 150 km schaffen werde, so mühsam ist es oft. Durch Frankfurt läufts super, der Radweg geht immer der Mainpromenade entlang, keine Umwege in die Stadt, keine Ampeln, keine Stopps. In Klein Auhein kaufe ich mir Verpflegung und ärgere mich, dass die Supermärkte oft so weit weg von den Flüssen und Radwegen im „Landesinneren“ sind. Und dann so große Märkte, dass du wegen ein paar Brötchen und etwas Trinken durch die ganzen Läden gehen musst. In Seeligenstadt (war es glaube ich) komme ich an einem riesigen Fahrradgeschäft vorbei und kaufe mir Fahrradöl für die Kette. Das 1000 km Service steht bald an…;-)
Es geht vorbei an Aschaffenburg, wo ich auf das rechte Mainufer wechsle, es wird bereits finster und es läuft immer besser. Ich will gar nicht mehr aufhören zu radeln und suche mir erst in Großheubach eine Unterkunft. Über 200 km, ich hab eigentlich keine körperlichen Probleme, die Achillessehne spüre ich auch kaum noch. Es läuft besser, als ich erwartet habe. Das Mango parkt wieder in einem Hof, der aber nicht abgesperrt ist. Ich habe trotzdem kein schlechtes Gefühl dabei. Ich habe keine Ahnung, wie lange der B&M 4,1 AH Akku Saft für die beiden IQ Speed Scheinwerfer, die Rücklichter, Blinker und die Hupe hat. Ich lasse noch im Hof die ganzen Lichter weitere zwei Stunden brennen. Erst jetzt sehe ich an den Scheinwerfern vorne, dass nun rote Dioden das Ende der Akkukapazität anzeigen. Dass die Hupe der größte Stromverbraucher ist, hab ich schon bemerkt. Er ist auch ein gutes Indiz für einen fast leeren Akku, wenn er nur noch quäkt.
Kilometerstand: 926

Mango 211 Sechster Tag: Es regnet leicht und ich fahre den Main – nun wieder auf dem linken Mainufer entlang, fahre bis Wertheim wo ich mich entschließe, dem Taubertal Richtung südwesten zu folgen. Der Main macht nun ziemliche Umwege und so komme ich doch eher in Richtung Heimat. Nun bleibe ich hauptsächlich auf den großen Straßen, diese sind sehr wenig befahren. Erst in Tauberbischofsheim wird der Verkehr deutlich mehr und ich fahre wieder vermehrt auf Radwegen entlang der Straßen. Durch Bad Mergentheim, wo ich die 1.000er Grenze überschreite, geht’s weiter Richtung Rothenburg ob der Tauber, es wird wieder etwas schöner, der Wind ist auch nicht mehr so stark aber trotzdem hab ich die ganze Strecke seit Holland unentwegt Gegenwind, das Rad macht es aber einigermaßen erträglich. Irgendwo bei einem Intersport Sportgeschäft kaufe ich mir ein paar dünne Langlaufhandschuhe, denn bis jetzt bin ich ohne Handschuhe gefahren und es wird doch ein bisschen kalt! In Rothenburg ob der Tauber mache ich in der wunderschönen Altstadt ein paar Fotos. Viele Leute kommen an und erkundigen sich über das Mango und darüber, woher ich komme und wohin die Fahrt geht. Über sehr grobes Stöckelpflaster geht es durch die Fußgängerzone, ich komme kaum vorwärts. Ich bin froh, als ich endlich aus der Stadt bin. Ich wollte mir noch etwas zu trinken und essen kaufen, hab es aber auf weniger belebte Ortschaften aufgeschoben. Anschließend fahre ich noch durch Leutershausen, kaufe auch dort nichts, dann nur mehr durch lauter kleine Dörfer, in denen es keine Geschäfte, ja nicht mal Gaststätten gab. Ich hab schon seit fast 2 Stunden nichts mehr getrunken und gegessen, ich werde schon ziemlich leer. Zudem geht es ziemlich steil bergauf und hinüber ins Altmühltal. In Herrieden gehe ich gleich in die erstbeste Bäckerei und trinke Apfelsaftschorle und eine Quarktasche und „tanke“ wieder auf. Anschließend kauf ich mir noch in einem Supermarkt Verpflegung für Unterwegs. Ich treffe wieder einen Liegeradler, diesmal einen Scorpion Fahrer, der mit BionX Antrieb und Streamer ausgestattet ist. Wir quatschen ein bisschen. Ich fahre noch zum Altmühlsee bis nach Muhr am See, wo ich mir ein Zimmer – diesmal bei einem griechischen Restaurant – nehme. Das Zimmer ist eher suboptimal, aber die Heizung funktioniert. Ich bin der einzige Gast – sowohl im Hotel als auch im Restaurant. Wieder über 200 km, mir geht’s wieder besser. Ich kann das Mango wieder in einem Schuppen abstellen. Erst jetzt speichere ich die Tracks auf meinem Garmin – ich fürchte die die alten Tracks sind schon  überschrieben und verschwunden. Blöd, so kann ich die genaue Route der ersten Tage vermutlich nicht mehr genau rekonstruieren.
Kilometerstand: 1.135

Mango 211 Siebenter Tag: Vom Altmühlsee geht’s weiter das Tal entlang Richtung Süden, nun kaum  mehr auf Radwegen, dafür immer wieder etwas bergauf und bergab. Ich mach noch den Fehler, das nächste Ziel – Eichstädt – auf der Landesstraße anzuzielen. Ich fahre über Weißenburg in Bayern, Laubenthal, Siebenkreuzhof und Wegscheid runter die Straße nach Eichstädt und muss so einige hundert Höhenmeter überwinden. Die gut 200 hm runter nach Eichstädt bei nasser Fahrbahn wurde ich von einem LKW gejagt, der dann aber doch immer kleiner wurde in meinem Rückspiegel. Das eine oder andere Mal hab ich aber schon gemerkt, dass das Hinterrad in schnellen Kurven etwas versetzte. Ein wenig mulmig war mir bei der schwachen Bremse schon und ich musste doch sehr vorausschauend fahren. Aber solche Adrenalinschübe fordern auch ein wenig die Aufmerksamkeit ;-) . Nach Eichstädt wurden die Radwege durchgehend Schotterwege und ich habe wieder bevorzugt die Landesstraßen befahren. Es begann wieder zu regnen und hatte ich wieder einen Platten Reifen. Wieder rechts vorne. Beim Wechseln wurde es ziemlich kalt und ich habe mir die Fliessjacke überzogen. Es geht weiter bis nach Kehlheim, wo ich endlich an die Donau komme, weiter durch Regensburg wo ich im Anschluss begann, eine Unterkunft zu suchen. Ich war aber am rechten Donauufer und so musste ich wieder die Seite wechseln und fand in Wörth an der Donau ein Gasthaus, wo ich das Mango neben einem alten Traktor in einer Scheune unterstellte. Ein typisches Landgasthaus in dem sehr viel los war, Christbaumversteigerung. Trotzdem ruhiges und sehr günstiges Zimmer. Wieder über 200 km
Kilometerstand: 1350

Mango 211 Achter Tag: Ich wechsle vor Straubing aufs rechte Donauufer und fahre vorerst nur die Landesstraßen Richtung Deggendorf und dort abermals aufs linke Donauufer, vorbei an Vilshofen bis nach Passau. Dort wegen der vielen Flußmündungen eine Runde durch den Ort und dann weiter auf den gut beschilderten und sehr breiten und schön ausgebauten Radwegen. Ich komme dann endlich nach Österreich, wo ich in „Kramesau“ die erste österreichische Ortstafel sehe. Ich gehe in eine kleine Gaststätte und esse ein belegtes Brot und trinke etwas. Ein paar Rennradfahrer die ebenfalls dort ein paar Bier trinken, glauben mir fast nicht, wo her ich die letzten Tage komme. Anschließend geht es weiter am linken Donauufer entlang bis nach Schlögen, wo die Donau eine starke Schlinge macht. Plötzlich ist der Radweg zu Ende, der Weg wird zum Pfad und ich versinke fast im Schlamm und Dreck. Die Tafeln zeigen eine Fähre zum anderen Ufer, die zu dieser Jahreszeit natürlich nicht fährt. Es wird schon fast dunkel und ich bin ziemlich sauer. Also zurück, 12 km bis zur nächsten Brücke und dort wieder auf das rechte Ufer wechseln. Das kostet Zeit. Ich will mir bereits ein Zimmer suchen, finde aber keine offenen Hotels oder Pensionen. In Aschach an der Donau bzw. Hartkirchen sucht eine Gaststätte – die lt. Garmin Navi Zimmer haben sollte – für mich telefonisch bei Privatzimmervermietungen eine Unterkunft und werde erst im zweiten Anlauf fündig. Die Vermieter sind sehr nett und sie interessieren sich sehr fürs Mango. Die Nacht vor dem Nikolaustag ist laut und viele Leute sind auf den Straßen. Ich falle ziemlich auf, viele Jugendliche sind in dem Ort unterwegs. Auch heute habe ich – zum fünften Mal hintereinander – mehr als 200 km gefahren.
Kilometerstand: 1557

Mango 211 Neunter Tag: Christoph WAAS, ein oberösterreichischer Liegeradfahrer und Hans geben mir Anweisungen zur Routenführung durch die „Bucklige Welt“ in Oberösterreich. Ich fahre über Eferding, über die (sehr steile) Scharten wo ich meine erste Polizeikontrolle hatte. Mich wunderte noch, als mich ein Polizeiauto überholte. An der nächsten Kurve standen sie bereits und winkten mich zur Seite. Sie zeigten sich aber neugierig und ich outete mich als Wiener Kollege. Wir machten Fotos und tauschten die Visitenkarten. Es ging weiter Richtung Wels und die Phyrnpass Bundesstraße Richtung Dornleiten, wo mich bereits eine von Christoph angekündigte „schöne“ Abfahrt erwartete. Was sich dort aber abspielte, hatte ich nicht für möglich gehalten. Es geht rund 150 hm mit ca. 12 Prozent Gefälle abwärts. Wenig befahrene sehr breite und gerade Straße – schön übersichtlich. Ich trete oben noch ordentlich hinein, dann plötzlich geht’s dahin – und wie! Der Tacho blieb bei 84 hängen und zeigte nur noch irgendeine Fehlermeldung. Der Tacho konnte offenbar nur eine gewisse Zahl an Impulsen pro Sekunden aufnehmen und mit den 20 Zoll Rädern keine höhere Geschwindigkeit anzeigen. Der Garmin war auf Höhenprofil eingestellt und das Menü konnte ich nicht mehr ändern, um meine Geschwindigkeit zu sehen. Das Mango beschleunigt weiter und ich bin schnell – wirklich schnell. Ich hätte wohl einen halben Kilometer zum Anhalten benötigt. Es war aber kein Auto zu sehen und so ließ ich es laufen. Das Versatiledach drückte es durch den Fahrtwind ganz herunter, ich musste meine Joysticklenkung mit der linken Hand betätigen und mit der rechten das Dach noch oben halten. Ich ließ das Mango auslaufen, ich wurde fast nicht langsamer. Erst nach geschätzten zwei Kilometern zeigte der Tacho wieder die Geschwindigkeit an. Zu Hause konnte ich den Garmin schließlich auswerten und stellte fest, dass ich mit 104 km/h gefahren bin. Gleich danach benötigte ich eine bei Christoph in Micheldorf eine Pause, wo ich etwas aß und trank und ein wenig von der Reise berichten konnte. Nach gut einer Stunde Pause gings weiter, ich wollte ja noch den Phyrnpass bezwingen. Schon vor Windischgarsten gings ziemlich Bergauf und Bergab. Ab Spittal/Phyrn dann richtete sich die Rampe so steil auf, dass ich nur mit Mühe treten konnte, mindestens ein zwei Gänge fehlten um einigermaßen leicht und rund die Steigung hoch zu kommen. Immer knapp an der Traktionsgrenze, das Hinterrad wollte immer wieder durchdrehen. Zwei – Drei Mal musste ich stehen bleiben, dann war ich endlich oben auf der Passhöhe, 945m ü.d.M., etwas Schnee lag und ich stellte mich für das Foto auf die Nebenfahrbahn, schnell ein Foto und dann die Abfahrt nach Liezen, solang es noch nicht ganz dunkel war. Die Straße war rutschig, ich ließ es trotzdem richtig Krachen. Die 84 km/h, die der Tacho des Mango anzeigen konnte, erreichte ich aber nicht mehr. Die Bremse zieht deutlich nach links, kam aber bis nach Hause nicht dazu, das zu korrigieren. In Liezen bin ich zum Mc.Donalds, wo – es war Sonntag – viele Gäste waren und ich einigermaßen aufgefallen bin. Ich hab etwas gegessen und bin dann noch weiter bis Wald am Schoberpass gefahren, ich wollte die letzte Etappe bis nach Riegersburg noch etwas verkürzen.  Hans würde ja morgen entgegen kommen und ich sollte bis Mittag in Bruck sein. Ich nahm ein letztes Zimmer in einem Gasthaus und verbringe die letzte Nacht auf meiner Reise. Kilometer: knapp 200
Kilometerstand: 1.743

Mango 211 Zehnter Tag: Hans kommt mir heute mit seinem Milan entgegen und werden wir uns in Bruck / Mur treffen. Ich fahre um halb 10 los Richtung Murtal. Es geht die ersten gut 10 Kilometer leicht bergab und es läuft sehr gut. Es hat einige Minusgrade, trotzdem ist die Temperatur im Mango erträglich. In Leoben werde ich von einer Zivlstreife angehalten. Die Beamten zeigen sich weniger interessiert sondern eher ablehnend dem unbekannten Fahrzeug gegenüber: „Mit wos is´ des antriebn?“ fragen die Beamten. „Mit mir!“ entgegne ich. „Wos is´n des überhaupt?“. „A Radl!“ kommt wieder von mir. „Des miass´ma überprüfen ob des rechtlich deckt is!“ wird mir in Aussicht gestellt. Najo, irgendwos is mit der österreichischen Mentalität: „Wos da Österreicher net kennt, des kanns net geben“, oder so ähnlich. In NL oder D haben die Uniformierten höchstens ZUgewunken und mich nicht RANgewunken. Nach der kurzen Pause gings das Liesingtal entlang zum Murtal und weiter nach Bruck, wo Hans vor dem bekannten Kornmesserhaus mitten am Hauptplatz auf mich wartete. So hatten die Brucker auch noch was von meiner langen Heimreise. Viele Interessierte erkundigten sich nach den ungewöhnlichen Fahrzeugen. In Bruck hab ich das Versatile Dach abmontiert und seitlich im Mango verstaut. Ich fahre zum ersten Mal nur mit Schaumdeckel. Nach einer kurzen Stärkung im Bäckerladen gings los. Hans hat ziemlich vorgelegt und ich im (nicht vorhandenen) Windschatten des Milan das Murtal entlang durch Frohnleiten und Gratkorn bis knapp vor Graz, wo wir nach Weinitzen, Niederschöckl und Fasslberg erneut eine steile Auffahrt hart an der Traktionsgrenze hatten. Unter dem Schaumdeckel wurde es bergauf ziemlich heiß und ich fuhr offen weiter. Hinunter die Serpentinen gings dann ziemlich flott mit leichten Drifts am Kurvenausgang durch Hoffeld, Volkersdorf und Eggersdorf. Mein Bruder wollte mich in Graz treffen, wir waren aber so schnell, dass er mit dem Auto fast nicht hinterher kam und wir in Brodersdorf kurz auf ihn warteten. Er und seine Freundin machten einige Fotos, dann gings über Gleisdorf ins Raabtal bis Hofstätten und dann auf den Sommerberg und über Markt Hartmannsdorf durchs Ritscheintal bis Walkersdorf und schließlich den letzten Höhenkamm über Neustift und wir trafen schließlich um 17.23 Uhr in  Riegersburg ein. Am letzten Tag noch knapp 160 km. Hans hat heute über 220 km am Tacho und über 1600 hm geschafft. Wir wurden von meiner Familie zu Hause empfangen. Alle stehen vor dem Haus ohne zu Wissen, wann wir genau kommen und ein Plakat mit Willkommensgruss hängt vor unserer Hausfassade. Meine (andere) Schwester ist da, ihre beiden Jungs und meine Eltern. Es gibt Spaghetti, Krapfen und reichlich zu trinken. Hans haut ordentlich rein – er war zuletzt schon ziemlich leer. Er fährt dann noch nach Feldbach nach Hause. Ich spür eigentlich keinerlei Erschöpfung und mir geht es so, als wär ich nur eine kleine Runde mit dem Bike gefahren. Ich hab höchstens 3-4 Kilo abgenommen.
Kilometerstand: 1.900,7

Ich habe die ganze Fahrt über nichts notiert und auch kein Tagebuch geführt. Die Kilometer, die ich jeden Tag zurückgelegt habe bzw. die Kilometerstände, dürften aber ziemlich stimmen.
Das Mango musste mal dringend geputzt werden, was ich auch am nächsten Tag machte.
An der Übersetzung muss ich noch etwas optimieren. Ich möchte vorne wenigstens ein 28er Kettenblatt montieren, um die großen Steigungen besser bewältigen zu können. Den Sitz hab ich zu Hause etwas nach hinten und etwas flacher gestellt.

Danke Gerd. Toller Bericht!!! Wenn Ihr mehr Photos sehen wollt, seht mal hier:

This is the tour-track according to Gerd’s  Garmin device

1 comment to Die Überführung des Mango 211 von Groningen (NL) nach Riegersburg (AT)

  • Muellmann

    Das wäre ja fast besser gewesen, wenn du über Norddeutschland Bremen und weiter an der Elbe entlang bis Dresden und von dort weiter via Prag nach Wien gefahren wärst. Wären vermutlich einige Höhenmeter weniger gewesen und vielleicht sogar etwas kürzer.
    Aber schöner Bericht, gut zu lesen!