Der 33-Jährige, gebürtige Bad Kissinger Daniel Fenn wird im Sommer 2010 einen Versuch unternehmen, den 24h Rekord im vollverkleideten Fahrzug zu überbieten. BentBlog sprach den derzeitigen Europameister…
Bentblog: Daniel, bevor du im Liegeradsport aktiv geworden bist, hast Du andere Räder bewegt, was war das und warum der Wechsel?
Daniel: Ich bin mein bisheriges Leben eigentlich nur MTB gefahren. Mein Fahrstil ist aber erschreckend extrem gewesen. Im Jahr 2004 habe ich einen sehr schweren Motorradunfall gehabt. Aufgrund dessen habe ich teils große körperliche Probleme. Nach dem Unfall habe ich mir ein sehr teures Titan MTB zusammengebaut. Daran habe ich mehre Hundert Stunden gebastelt, um es nahe an 6kg zu bekommen. Eigentlich ein Traum. Dann ein Jahr an einem Rennrad gebastelt , natürlich in Titan.
Ich habe nach dem Unfall etwa ein Jahr gebraucht um wieder in die Nähe der Form zu kommen, die ich beim Biken vorher hatte. Aber ein großes Problem bestand seit dem ohne Verbesserung: Rückenschmerzen in der unteren Rückenregion. Dort hatte ich beim Unfall unter anderem Wirbelbrüche. Es war auf Dauer so nicht tragbar mit den Schmerzen. Nach ca. 2h Radfahren waren Sie ohne Pause nicht mehr auszuhalten. Deswegen der Umstieg auf ein Velomobil.
BentBlog: Anfang 2009 hast Du dir ein Go-one 3 gekauft und dann im Sommer in Leer den Europameistertitel geholt – in einem geliehenen Milan, der noch nicht mal richtig auf dich eingestellt war! Waren die Gegner so schwach oder bist Du so stark;-)???
Daniel: Nein, Ymte Sijbrandij der mehrfache Weltmeister ist sehr gut und zwar in allen Belangen! Es ist in Tat so das es nur sehr wenige Richtig gute Fahrer gibt. Der Milan war schon recht gut, aber man hätte mehr rausholen können wenn er besser angepasst gewesen wäre. Nein, würde mich nicht als besser bezeichnen aber ich habe kräftige Beine die mir beim Sprint und in der Stunde zum Sieg verholfen haben.
BentBlog: Zwischenzeitlich hast Du dir ein Go-One Evolution beschafft. Entspricht das der Serienausstattung?
Daniel: Nein, nichts außer der weißen Farbe. Ich habe mitgebaut und mit konstruiert. Es ist deutlich leichter und teils verstärkt.
BentBlog: Im nächsten Jahr wirst Du, aber auch einige andere Fahrer, den 24-Stunden Rekord angehen. Wer fährt noch, wo und wann wird das stattfinden?
Daniel: Das würde ich auch gern wissen! Die Veranstalter geben das vorher nicht preis. Das Ganze findet auf dem Lausitzring (Dekraoval) um Juni/Juli statt.
BentBlog: Was reizt Dich an diesem Rekord?
Daniel: Man muss sich das mal vorstellen: 1069km in 24 Stunden. Nie ist ein Mensch mit eigener Muskelkraft seit Bestehen der Menschheit weiter gekommen. Ist das nicht super faszinierend. Würde mich freuen, wenn ich noch ein Tick weiter komme.
BentBlog: Wirst Du in deinem Evo fahren oder doch vielleicht in einem Milan SL?
Daniel: Einen sehr guten Milan würde ich gestellt bekommen, aber ich habe bedenken durch die Rückenprobleme. Ich versuche auch aus den vorangegangen Versuchen oder Siegen Anderer zu lernen. Denn zuvor wurden nur ca.1000km in einem Hochgeschwindigkeitsgeschoss gefahren. Erstaunlich wenig, wenn man bedenkt, dass ein guter Fahrer damit deutlich über 100km/h kommt. Ich möchte mir ein eigenes kleineres Velomobil auf EVO-Basis beim Hersteller (Beyss) bauen. Den nur in so einem Fahrzeug sehe ich wegen meiner Rückenprobleme die Chance, solange wie möglich am Stück zu Fahren. Nur in so einem Fahrzeugkonzept kann man sich während der Fahrt nach vorne beugen.
BentBlog: Christian Ascheberg hat ja erst im letzten Sommer einen 24h Rekord vorgelegt, Du hast es schon angesprochen, 1069km ist er gefahren. In einem einspurigen verkleideten Rad das wie der Milan auch von Bülk designt wurde. Kann ein Dreirad schneller sein als dieses Rekordrad?
Daniel: Die Fachwelt ist der Meinung das ein Einspurer schneller ist. Der Grund wird sein das ein Zweirad aerodynamischer ist. Das ist zwar richtig. Aber ich sehe große Vorteile im Dreirad. Bei richtiger Auslegung fährt es ja fast von alleine Gerade aus. Erheblich mehr Platz ist auch. Beim Wiederanfahren brauch man kein Hilfe, keine Klappen oder sonst kompliziertes was beim Verschließen Zeit kostet. Man könnte Theoretisch 24h im Fahrzeug alles erledigen.
BentBlog: Hat das Trike nicht eine deutlich höhere Rollreibung?
Daniel: Deutlich höher sicherlich nicht. Ich konnte nichts nachteiliges in Bezug auf den Rollwiderstand feststellen, eher Gegenteiliges bei perfekt eingestellter Spur. Ein Nachteil ist allerdings das ein Rad mehr beschleunigt werden muss. Ein weiter Nachteil ist das zusätzlich mehr Verwirbelungen vorhanden sind.
BentBlog: Du diskutierst Deine Vorbereitung auf den Rekord im Velomobilforum (unter anderem auch mit Christian Ascheberg). Warum?
Daniel: Sehr gute Frage. Ich würde mich nicht als “Ausdauerverrückten” bezeichnen wie Christian einer ist. Deswegen setzte ich mich mit der Veröffentlichung unter Druck. Denn wenn ich mal etwas Kund tue, möchte ich es auch tunlichst einhalten oder zumindest das Beste geben um mir keine Blöße zu geben. Zudem möchte ich zeigen was mit einer Behinderung noch geht. Ich habe eine schwere Beckenfraktur mit Gebrochener Hüftpfanne. Um daran zu kommen mussten sie das linke Bein am Beckenansatz zur Hälfte trennen. Das ist hinderlich und vor allem Leistungsmindernd.
BentBlog: Ist Doping im Liegeradbereich ein Thema?
Daniel: Ymte hat mir versichert das er nichts nimmt. Dem schließe ich mich an. Zumindest im Hobbybereich sollte es doch um die eigenen Leistungen gehen auf die man Stolz sein sollte. Kann man das denn mit Doping? Ich kann nur von mir ausgehen. Ich persönlich finde das eine Frechheit sondergleichen, nicht mit gleichen Karten zu spielen. Ich verabscheue das aufs Tiefste. Falls aber doch etwas genommen wird im Liegeradsport, ist es zumindest erheblich weniger als in den anderen Radsportbereichen. Ich kenne halt die MTB-Szene recht gut, dort sind die Leute doch verbissener und aggressiver. Deswegen wollte ich auch nie in den Rennradbereich mit deren Profi- und Windschattengehabe. Das Doping im Profisport üblich ist, verstehe ich aber.
BentBlog: Warum ist Doping im Profibereich für Dich verständlich?
Daniel: Wer nicht alles ausreizt wird nicht mit halten können um damit Geld zu verdienen. Zudem habe ich betreuende Ärzte kennengelernt, die der gleichen Meinung sind.
BentBlog: Was willst Du denn nach dem Rekord machen? Die sportlichen Ziele werden dann ja langsam rar…
Daniel: Nein, die werden nicht rar denn ich bin eigentlich eher der Sprinter und werde mich dann auf die Stunde konzentrieren.
BentBlog: Vielen Dank für das Interview!!!

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